Der zweite Wochenbericht fällt dieses mal etwas kürzer aus. Die Woche begann etwas vers***** wird aber mit dem ersten Besuch aus Spanien aufgeheitert.
Montag – Mittwoch
Der Start in die Woche begann wie gesagt etwas holprig. Wir wurden von Montezumas Rache getroffen und litten 3 Tage an der Taco-Grippe. Wir siechten vor uns hin und schleppten uns zwischen WC und Boot hin und her, tranken salzig gesüssten Tee und assen salzige Cracker. Zwischendurch fanden wir etwas Energie und schraubten am Deck weiter oder nahmen ein erstes Heckfenster, genannt «Portlights», auseinander. Der Vorbesitzer hat neue Fensterabdichtungen bestellt aber diese noch nicht installiert. Die vermeintlich einfache Arbeit stellt sich als langwierig heraus. Das Testfenster war am Samstag noch immer nicht installiert. Auf dem Schiff ist es der Normalfall, wenn man etwas schnell reparieren oder austauschen möchte machen sich damit drei neue Probleme auf, die den gesamten Prozess verlangsamen.
Donnerstag
Die Rache Montezumas hat sich endlich verflüchtigt und wir kommen wieder zu Kräften. Die Arbeitsalltage pendeln sich ein und wir gewöhnen uns an den Rhythmus. Auf dem Boatyard trifft man auf den Wegen immer andere Leute an, die gerade auf dem Weg zur Dusche, zum Mar y Tierra, zum Oxxo oder sonstwo sind. Iñaki lernte auf einem der Wege Alison und Derrick, ein pensioniertes Pärchen aus England, kennen. In den Marinas oder Boatyards ist es so, wenn man jemanden zum Schwatzen braucht oder etwas Fragen will, geht man vorbei und klopft ans Boot. So taten dies am Donnerstag auch Alison und Derrick. Sie luden uns für um 17 Uhr auf einen Drink bei ihnen ein. Mit Coronas und Guacamole verbrachten wir einen gemütlichen Abend auf der «Arielle». Seit rund 25 Jahren cruisen die Beiden um die Welt. Dazwischen gab es ein paar Jahre Unterbruch im schönen Cornwall, England. Sie warten noch auf die Zahnkrone (Zahnärzte sind hier sehr günstig) und planen dann endlich loszusegeln, um im Frühjahr den Südpazifik zu überqueren. Ihr letzer Versuch wurde nach dem Panamakanal jäh durch Derricks Nierensteine aufgehalten.
Freitag
Zum ersten Mal ging ich, Carmen, alleine in die Stadt. Ich musste in die Ferreteria um Schrauben zu kaufen, die Apotheke und in einen Einkaufsladen. Der Puls ging etwas höher. Dank Deepl, Whatsapp, Händen und Füssen konnte ich mich einigermassen verständigen. Leider bekam ich im Schraubenladen nur die Hälfte der gesuchten Schrauben, im Einkaufsladen kein lokales Bier und keine Karrotten. Der Ausflug in die Stadt war trotzdem ein kleiner Erfolg für mich. Erstmals konnte ich ohne sprachliche Unterstützung durch Iñaki mit den Leuten sprechen. Den Rest des Tages haben wir die Wandverschalung im vorderen Zimmer wieder verschraubt, das Schiff geputzt und das Bett für José Angel hergerichtet. José Angel, der frisch pensionierte Freund der Familie Conde aus Santander, wird uns für 8 Wochen beim Umbau unterstützen.
Samstag
Den Morgen haben wir mit Büroarbeiten verbracht, bis wir um knapp viertel vor 11 mit Schrecken bemerkten, dass José Angel gesagt hat, dass er entweder um halb 11 oder um etwa 11 Uhr an der Tufesa Busstation in Guaymas ankommen wird. Kurzer Stress kam auf. Unser Plan ein Uber zu rufen ging in die Hose, weil es schlicht keine verfügbaren Ubers gab um diese Zeit. Plan B war dann Christi anzurufen. Tatsächlich schaffte sie es um 11 Uhr bei uns vor dem Eingangstor zu stehen. Um knapp 10 nach 11 waren wir im Stadtzentrum an der Busstation. Von José Angel keine Spur. Da wir ihn nicht auf dem Handy erreichen konnten, wussten wir nicht, ob er bereits vor 40 Minuten angekommen ist oder stets noch unterwegs ist. Auf kurze Nachfrage beim Wachpersonal wurde uns mitgeteilt, dass sogleich ein Bus aus Hermosillo eintreffen wird. Tadaaa und da war er. Der baskische Wirbelwind ist nach 24 Stunden Reise in Guaymas angekommen.
Zuerst musste Kaffee her, denn der Jetlag sagt: Kein Schlaf bis 20 Uhr. Als zweites waren die Tacos dran. Im Tacorestaurant gegenüber der Busstation fanden wir, auf Empfehlung von Christi, feine «tacos de cabeza». Das sind Tacos mit Fleisch vom Kopf im Stile von «pulled pork», gefüllt mit einer Mischung aus Zwiebeln und Koriander und etws feingeschnittenem Chabis. Darüber träufelt man etwas frische Chilisauce aus pürierten grünen Tomaten und Chili, sowie ein Schnitzchen Limón. Ein Taco kostet 23 Pesos (rund 1.15 Franken). Mit zwei oder drei Tacos hat man gegessen. Und weiter gehts.
Wir wollen frischen Fisch kaufen für das Nachtessen. Christi soll uns zeigen, wo die Fischverkäufer mit dem frischesten Fisch stehen. Die Fahrt führt uns aus Guaymas raus in ein Dorf in einer Lagune etwas ausserhalb der Stadt. An der Strasse entlang stehen verschiedene Stände von Fischverkäuferinnen mit Eistruhen voller Fischen, Muscheln, Crevetten und Tintenfischen. Teilweise sind die Meerestiere bereits vorverarbeitet, gereinigt und geschnitten. Wir entscheiden uns für ein halbes! Kilo Callos (Jakobsmuscheln) und ein Kilo Camarones (Crevetten). Die Jakobsmuscheln waren sau teuer aber ein hochgenuss. Lediglich mit Limettensaft beträufelt und mit Chile de Arbol bestreut haben wir sie beim Znacht gleich roh verdrückt. Die Camarones haben wir kurz mit Butter und Knoblauch in der Pfanne geschwänkt und mit Maistacos verspeist.
Vor dem Nachtessen haben wir noch zu dritt den ganzen Motorenraum, respektive die Werkstatt, ausgeräumt und abgebaut. Diese soll später mit einem guten Ordnungssystem neu eingerichtet werden. Wir merken, José Angel bringt neue Energie und gute Ideen mit. Er ist voller Tatendrang und steckt uns damit an.
Sonntag
Der Plan ist es, das ganze Schiff auszuräumen und eine Bestandesaufnahme des gesamten Materials an Bord zu machen. So räumen wir alles aus allen Fächern, Löchern und Kästen heraus aufs Deck. Bei vielen Dingen wundern wir uns, für was es wohl zu gebrauchen ist. Wir haben aber beschlossen, nichts fortzuwerfen bis wir fertig sind mit dem Umbau. Ein verfrühtes Wegwerfen von UFOs kann später zu nervenaufreibenden Quests führen. Bereits jetzt merken wir, wie schwierig es ist, gewisse Dinge in Mexiko zu kaufen/finden. Glücklicherweise haben wir bei einem unserer Spaziergänge über den Platz eine Adresse für eine «Packstation» im Nachbarstädtchen erhalten. An ihre amerikanische Adresse kann man sich Waren bestellen und diese Leute bringen die Pakete über die Grenze. Für eine kleine Gebühr kann man dann jeweils am Samstag die bestellte Ware abholen gehen. Was für ein Service!
Unser Versuch am Mittag etwas kleines zum Essen zu finden scheiterte daran, dass Sonntag war. Das einzige was wir finden konnten war kaltes Bier und ein Chelada (Bier mit Zitrone und Salz) für mich am Six Getränkeverkaufsstand hinter dem Oxxo.
Am Abend hat José Angel für uns mit den restlichen Camarones vom Vorabend eine Art Paella gemacht. Die Listen für den geplanten Einkaufstag am Montag standen bereit und relativ früh gingen wir um halb 9 ins Bett.