Diese Woche ist geprägt von Tankwasserproblemen, Wasser aus dem Himmel und dem Virus. Wir schlagen uns durch die Woche und belohnen uns am Wochenende endlich mit einem kurzen Sprung ins Meer. Das mit den Bildern habe ich noch nicht zufriedenstellend hinbekommen, ich muss noch etwas weiter mit WordPress herumtüfteln.
Montag
Die Woche begann mit, drei Mal raten, Problemen. Ich zitiere hier Karl Popper: «Alles Leben ist Problemlösen». Bei einem Schiffrefit trifft dies sehrwohl zu. Das alte Wasser, welches seit Ensenada noch in den Tanks war, war ziemlich salzig. Zudem waren wir uns nicht sicher, inwiefern es noch in Ordnung war, selbst um es zum Abwaschen zu gebrauchen. Das Wasser aus den Trinkwassertanks, drei an der Zahl mit einer Gesamtfassung von beinahe 1’000 Litern, trinken wir in diesen Regionen nicht. Meistens ist es von minderer Qualität und oft sind die Entsalzungsanlangen an Land nicht optimal unterhalten. Zum Duschen und Abwaschen ist es ok. Das Trinkwasser («agua purificada») konsumieren wir aus 18 Liter Wasserfässern. Quellwasser ist hier nicht zu finden. Zusätzlich kommt dazu der permanente Wassermangel. Zurück zum Problem. Just zur gleichen Zeit wie der Maschinenraum ausgeräumt und zurückgebaut wurde, sank der Wasserdruck in der Küche… Iñaki suchte eine Stunde lang nach einem möglichen Fehler bei den Wasserschläuchen zwischen Tank, Pumpe und Küche. Die Fehlersuche war erfolglos. Der Wasserdruck bestand in den beiden Badezimmern aber nicht in der Küche. Das Geschirr begann sich rechts vom Brünneli zu türmen. Die Fliegen besuchten uns nun öfters und José Angels Laune über die Wassersituation an Bord sank in die Bilge.
Als nächster Schritt der Fehlersuche habe ich die Wasserzufuhrschläuche in der Küche auseiander geschraubt und stellte fest, der Wasserdruck besteht auch noch vor der Brause am Abwaschbecken. Also schraubten wir den Brausenkopf ab und tadaa, was präsentierte sich uns Sandähnliche Partikel welche die Brause verstopften. Nach einer Essigbehandlung und komplettem Auseinandernehmen lief das Wasser wie zuvor. Wir ziehen aus diesem Vorfall den Schluss, dass sich in den Tanks am Boden wohl Sedimente abgelagert haben und diese durch das Aufwirbeln beim vielen Entleeren und Auffüllen in den Wasserkreislauf gelangen.
Dienstag
Am Morgen noch im Bett las ich das Mail von der Logistikfirma, welche unsere Frachtpalette von Aesch nach Guaymas bringt, dass wir vergessen haben die Zieladresse auf der Aussenwand anzubringen. Die Zieladresse wird zur Identifikation der Sendung verwendet. Oh Schreck! Zum Glück geht die Palette zuerst nach Embrach und erst danach nach Antwerpen in den Frachthafen. Cargocare konnte somit in ihrem Lager noch die korrekte Beschriftung anbringen. Juhe!
Auch diese Woche stand wieder ein Shopping Tag an. Dieses Mal versuchten JA und ich mit dem ÖV in die Stadt zu gehen. Als wir um 08:30 Uhr an der Kreuzung oben standen beschloss JA kurzerhand Autostop zu machen, da gerade kein Bus zu sehen war. Drei Minuten später sassen wir im Auto von zwei stolzen Marinesoldaten, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Einer spielt Schlagzeug in der Marineband und der andere arbeitet irgendetwas in der Bodeneinheit. Sie erzählen uns vom Kampf der Regierung gegen die Kartelle und den Drogenschmuggel. Mit ihrem Kriegsschiff gehen sie gegen den vorherrschenden Narcotraffico vor. Das Schiff steht promiment im zentralen Hafen der Marine im Stadtzentrum und ist der ganze Stolz der zwei Soldaten. Seit im 2016 ein Kampf zwischen zwei Kartellen um Guaymas entstanden ist und das Militär sich vor Ort stationiert hat, hat sich die Lage extrem beruhigt. Dante erzählte uns, dass zu Beginn beinahe zwei Leute pro Tag ermordet wurden und heute eigentlich Ruhe herrscht. Ruhe herrscht deshalb, weil sich ein Kartell durchsetzen konnte. Guaymas ist heute viel weniger umkämpft und die Marine fokussiert sich auf den Drogenschmuggel in der Baja California. Natürlich haben uns wieder die Löhne der Menschen interessiert. Lohntechnisch verdient ein Marinesoldat rund 1’800 Franken im Monat. Sie sind sehr zufrieden mit dem Lohn, was wir gut verstehen, weil es bis jetzt der beste Verdienst ist den wir erfragt haben.
Sie fuhren uns direkt ins Zentrum zum «mercado central», nach der Frage, wo man das beste Holz in der Stadt findet drehte der Fahrer das Auto und fuhr uns direkt vor den Holzladen «Madereria Luebbert». Doch die Pläne von JA waren anders, so wollte er zuerst Geld wechseln und dann erst den weiteren Shoppingplänen folgen. Gesagt getan, fuhren uns die zwei wieder ins Stadtzentrum und luden uns nahe der Hauptverkaufsstrasse aus.
Das erste Ziel Geld in einer Wechselstube zu wechseln war schnell erreicht, jedoch sahen wir beim Austreten gegenüber eine Bank, die zu einem viel besseren Kurs wechselt. Wieder etwas gelernt. In der Apotheke, die sich das Verkaufslokal mit der Papeterie und der Drogerie teilt, fanden wir die Hälfte aller benötigten Utensilien auf unserer Liste. Die Frage nach einem Ort mit gutem Kaffee wurde uns schnell beantwortet mit: «Geht da vorne Links um die Ecke, dann seht ihr das Kaffeehaus». Angekommen am gesagten Ort erkannten wir schnell, dass es sich hier beim «guten» Kaffee um eine Nescafé Kaffeemaschine handelt. Wir wollten schon den Rückzug antreten, als unser Blick auf die Süssigkeiten neben der Kasse fielen. Frischgebackene luftige Teigbällchen gefüllt mit Philadelphia Frischkäse. In Spanien sind diese als Bocadillos bekannt und bei uns als gefüllte Quarkini oder so ähnlich. Wir beschlossen trotzdem dort einen Kaffee zu trinken und genossen die klebrigen Zuckerbällchen.
Auf dem Weg zur Touristeninfo, JA möchte gerne Karten und Infos über die Region, entdeckten wir tatsächlich ein «gutes» Kaffee mit frisch gemahlenem Kaffeepulver. Gleichzeitig war die Lokalität auch noch ein Museum und wir bestaunten die Muschelsammlung und andere Zeitzeugnisse aus Guaymas. Als wir wieder auf die Strasse traten fehlte plötzlich JA’s Brille. Wir liefen zurück ins Nescafé Café und suchten überall, doch die Brille war nirgends aufzufinden. Die Kameraaufzeichnungen zeigten, dass JA den Laden mit der Brille verlassen hat. Also wieder zurück ins Museaumscafé und voilà, da war die Brille auch.
Drei Stunden später hatten wir die Hälfte der Dinge unserer Liste abgehakt und gingen Nachhause. Sombreros für uns drei Gringos gehören dort auch dazu.
Mittwoch
An diesem Tag entwickelte sich eine grössere Hitze als in den Tagen zuvor. Das Ragout bereiteten wir im Slowcooker an Deck vor, damit die zusätzliche Hitze vom Kochen draussen bleibt. Den ganzen Tag arbeiten wir an unseren Jöbblis und experimentieren mit verschiedenen Epoxymischungen. Ich lese viel über die Entwicklung der Situation des Coronavirus in der Schweiz und Trump will die Einreisebestimmungen für Europäer einschränken. So wie es aussieht, müssen wir den Schiffzügelplan mit Patricia und David nach Hinten schieben. Wir hoffen sehr, dass bis im Mai die grössten Einschränkungen wieder gelockert werden.
Gegen Nachmittag beginnt sich das Wetter zu verdüstern und es beginnt zu regnen. Wie viel es Regnen wird, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.
Donnerstag
Das Erwachen am Morgen war zäh. Alles war klamm und die Luft mit Wasser gesättigt. Ein spätes Frühstück mit Pancakes, gebratenen Kochbananen, griechischem Joghurt und etwas Zimt hellte die Stimmung an Bord etwas auf. Die Temperaturen zum Arbeiten waren ideal, doch die rote nasse Erde vom Platz draussen verteilte sich überall an Schuhen, Kleidern und Schiff. Wir riefen einen Pseudo-Sonntag aus und riefen am Mittag im Restaurant an der Kreuzung an, wann wir am besten vorbei kommen sollen. Zum Zmittag gibt es schliesslich «pescado en papel» bei Franziska, der Besitzerin vom Restaurant «mar y tierra». Dies ist ein ganzer Fisch, auf dem Grill in Alufolie gegart. In der Alufolie mit drin sind: Crevetten, Pulpo, Zwiebeln, Knoblauch, Chili, Broccoli, usw. Durchnässt kehren wir aus dem Restaurant zurück. Zum ersten Mal haben wir die Regenjacken hervorkramen müssen, doch es regnet quer und die Turnschuhe sind leider auch keine Gummistiefel. Den Nachmittag verbringen wir vor dem Computer, schreiben Listen und füllen die Online Einkaufswagen. Von Schrauben, über Bremsen und neuen Leinen ist alles vorhanden.
Der Regen hörte nicht mehr auf, die Wege werden zu Bächen und wir wissen endlich mit Sicherheit wo am Schiff alle Lecks sind. Die Rückenlehnen im Cockpit, das Grossse, sowie die kleinen Fenster im hinteren Zimmer sind die grössten Lecks. Der Rest ist dicht! Yesss. Mit Tüchern unter den Fenstern legen wir uns schlafen und hoffen, der Regen ist bald vorbei.
Freitag
In der Nacht hat sich der Regen verzogen und wir konnten am Morgen endlich effektiv Aufräumen. Das heisst, nach beinahe einem Monat Baustelle hat nun alles seinen Platz, ohne dass jeder alles suchen muss bevor man anfängt zu arbeiten. Zusätzlich mussten wir noch alle am Boden rumstehenden Dinge vom roten Schlamm befreien, der sich dank dem Regen überall festgesetzt hat.
Endlich konnte ich den ersten grossen Fiberglas Job erledigen. Die Ankerkiste, respektive die Ankerkettenkiste, wurde wasserdicht gemacht. Bisher ist das Wasser und der Schlamm, der jeweils beim Ankereinholen mit ins Schiff gebracht wird, über die Bilge abgelaufen. Neu gibt es dafür einen abgeschlossenen Raum mit zwei Löchern direkt nach draussen. Das Schlammwasser gelangt auf diese Weise nicht ins Schiff und die Bilge bleibt somit trocken.
Samstag
Durch die Möglichkeit Pakete an eine US-amerikanische Adresse zu senden, welche danach durch Debbie über die Grenze nach Mexiko gebracht werden, müssen wir um 11 Uhr morgens in San Carlos beim Santa Rosa Market sein. Dort kann man die bestellten Pakete jeweils am Samstagmorgen abholen. Der Plan lautet, mit dem Bus nach San Carlos, Pakete aufladen, an den Strand gehen, Einkaufen und wieder Nachhause fahren. Als wir uns um 10:30 Uhr endlich auf den Weg gemacht haben merken wir, die Busse fahren sehr selten und niemand nimmt uns zu dritt per Autostopp mit ins Zentrum. Wir rufen Christi an, ob sie uns nicht doch abholen möge und nach San Carlos fahren kann. 15 Minuten später gabelte sie uns auf der Landstrasse in Richtung Stadt auf.
Angekommen beim besagten Einkaufsmarkt fanden wir die Päcklischmugglerin auf dem Parkplatz hinter der Metzgerei. Rund um ihr Van waren Waren, Pakete und Briefe aus den USA geordnet nach Alphabet ausgelegt. Wir suchen unsere zwei Pakete und bezahlen dafür rund 15 Franken. Wenn man bedenkt, dass die Importsteuer nach Mexiko sich auf rund 30% beläuft, lohnt sich dieser Service auf jeden Fall. Selbst viele Mexikaner bestellen sich auf diese Weise Ersatzteile und Geräte. Im Zuge des Virus waren bei den bestellten Waren auch viele Medikamente dabei. Diese sind für die bereits etwas ältere amerikanische Community in San Carlos bestimmt. Zu diesem Zeitpunkt steht noch nicht fest, ob die Grenzen zwischen den USA und Mexiko geschlossen werden.
Nach einer kleinen Stärkung mit «tacos con carne asado» (Tacos mit gegrilltem, in Würfel geschnittenem Fleisch) führte uns Christi an einen kleinen traumhaften Strand namens «Carambol». Versteckt zwischen den Hügeln und Häuser in einer privaten Siedlung, wo wir mit einem netten Lächeln reingelassen wurden, lag der rund 60m lange Strand mit Palmen. Wir gönnten uns das erste erfrischende Bad im kühlen Meer nach dreieinhalb Wochen in Mexiko! Die «Strände» bei uns neben der Marina eignen sich leider überhaupt nicht zum Baden. Rundherum befindet sich Fischindustrie, welche ihre Abfälle ins Meer lassen und wir nehmen an, dass das Abwasser der Häuser hier ebenfalls direkt im Meer entsorgt wird. Das Entsorgen von Abfall und Abwasser scheint hier nicht ansatzweise geregelt zu sein. Nach rund einer halben Stunde am Strand brachen wir wieder auf, um die restlichen Wocheneinkäufe zu betätigen.
Sonntag
An diesem Tag messten wir zum vierten Mal das Rigg aus, um eine möglichst genaue Angabe über die Länge der Drahtseile zu erhalten. Diese möchten wir entweder in England oder den USA bestellen und dann hier vor Ort montieren. Dafür müssen wir zusätzlich den Mast mit einem Kran demontieren. Uns graut es jetzt schon vor diesem Tag.
Aus der Heimat erreichen uns immer mehr Coronavirus Nachrichten. Der Kanton Baselland hält eine Sonderkonferenz über die Ausrufung eines Notstand im Kanton ab. Ab Montag sollen alle Schulen geschlossen werden und jenachdem auch weitere Betriebe. Wir sind gespannt wie der Verlauf vor Ort sein wird. In der Marina ist es auf jeden Fall möglich, Distanz zu den Leuten zu halten. Wir bewegen uns auch nur in einem kleinen Radius, benützen quasi keinen ÖV und versuchen uns gut die Hände zu waschen.